Café Bada

Nicht viele Menschen, nehme ich mal an, würden sich mit über 70 Jahren noch mal in der Gastronomie selbstständig machen. Dies sogar in einem Land zu tun, dessen Sprache man eher gebrochen spricht, klingt dann fast nach einem Drehbuch für einen Film. Diesen Film habe ich mir neulich angeschaut, und zwar im echten Leben!

 

Der Inhaber des Café Bada in der Reichenberger Straße in Kreuzberg ist gebürtiger Koreaner, 75 Jahre alt und bietet in seinem kleinen Laden veganes koreanisches Essen an. 

Es ist ein ungewöhnlicher Anblick, der im ersten Moment für Verdutzen sorgt. Einen offensichtlich schon älteren Mann hinter einer Theke habe ich nicht oft gesehen. Er lächelt freundlich und heißt seine Gäste herzlich willkommen. 

 

Die Karte im Café Bada ist klein, doch ich finde sofort etwas. Neben Bibimbap gibt es ein weiteres Hauptgericht: Jabche-Nudeln, diese werden aus Süßkartoffeln gemacht. Ich bestelle den hausgemachten Kimchi und die Box mit veganen Sushi-Rollen, die mit Tofu, eigelegter Karotte, Gurke und noch einer Art Rettich gefüllt sind. Meine Begleitung bestellt das Bibimbap.

Es ist Mittag, die Sonne scheint auf die Holztische vor dem Laden und wir sitzen in der schönen Reichenberger Straße. Um diese Uhrzeit ist es hier angenehm ruhig, doch nicht ausgestorben - ganz leere Straßen mag ich immer nicht so.

 

Das Bibimbap im Café Bada zeichnet sich dadurch aus, dass es drei verschiedene Arten von Seetang enthält. "Bada", das heißt ja auch "Meer" auf koreanisch, erzählt uns der Inhaber. Er ist sehr gastfreundlich, kommt nach dem Essen persönlich an den Tisch und fragt, ob es geschmeckt hat. Ja, das hat es. Leicht und frisch, dezent, doch nicht fad finden wir das Gericht. Hier kommt das Bibimbap zwar leider nicht im heißen Tontopf, doch dafür sind das viele frische Gemüse, die Morcheln und die Sprossen darauf perfekt für eine Mittagspause an diesem warmen Frühlingstag.

 

Gegenüber vegetarischem Sushi bin ich normalerweise sehr skeptisch eingestellt. Umso überraschter bin ich also, als ich feststelle, dass dieses hier mir sehr gut schmeckt. Sehr, sehr gut sogar. Der Fisch fehlt nicht und die Hälfte der Rollen esse ich sogar ohne Sojasoße, denn die Füllung ist im Geschmack rund und vollkommen und kann sich problemlos gegen den neutralen Reismantel durchsetzen. Das Kimchi ist auch so, wie ich Kimchi mag. Nicht zu viel Knoblauch und noch leicht bissfest. Es ist scharf, doch nicht so, dass man ewige Pausen zwischen den Bissen einlegen muss.

Das Essen im Café Bada ist nicht einfach nur gut, weil es gesund ist. Es ist auch gut gemacht, liebevoll angerichtet und wohltuend. Wir waren satt, doch nicht voll. Wir waren entspannt, doch nicht träge danach.

 

Die Preise sind fair und alles ist sehr unkompliziert. Ich mag diesen Ort.

Café Bada

Reichenberger Straße 104

10999 Berlin

Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr geöffnet